Rückblick auf das Handwerker- und Baustoff-Symposium am Hengstbacherhof
- Stefanie Brand

- 13. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
7. und 8. November 2025
Am 7. November 2025 fand auf dem Hengstbacherhof das erste Handwerker- und Baustoff-Symposium der Zukunftsdorf eG statt – ein Tag voller inspirierender Impulse, spannender Begegnungen und neuer Perspektiven für das regionale Bauen der Zukunft.
Bereits am Morgen zeichnete sich ab, dass die Runde der fünfzehn Teilnehmenden ausgesprochen vielfältig und engagiert war. Handwerker:innen, Planer:innen, Architekt:innen und interessierte Bürger:innen kamen zusammen, um gemeinsam Wege in eine nachhaltige und regionale Baukultur zu erkunden.
Nach der Eröffnung durch Thomas Hann, der die Themen des Tages vorstellte und den Zusammenhang von Dorfentwicklung, regionaler Wertschöpfung und gesundem Wohnen beleuchtete, war die Energie im Raum spürbar. Viele der Anwesenden brachten bereits Erfahrung mit ökologischen Bauweisen mit, staunten aber über die Vielseitigkeit des Werkstoffs Hanf und die tiefe Verbindung zwischen Baustoff, Landwirtschaft und Klimaschutz.


Henrik Pauly, der Hanfingenieur, gab anschließend einen faszinierenden Einblick in seine Arbeit mit Hanf als regionalem Baustoff. Mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis vermittelte er, wie sich dieser natürliche Rohstoff für Wände, Dämmung und ganze Gebäudestrukturen einsetzen lässt – technisch präzise, aber mit spürbarer Begeisterung für die Sache. Die Kombination aus Erfahrung und Innovationsgeist wirkte ansteckend und schuf einen greifbaren Bezug zur Umsetzung im eigenen Umfeld.
Ein besonderes Highlight war der Vortrag von Lisa-Maria Kaulen von der DZ Bank. Sie führte kompetent und klar strukturiert durch die komplexe Förderlandschaft von KfW und BAFA – von ökologischer Sanierung bis zum klimafreundlichen Neubau. Es gelang ihr, ein scheinbar trockenes Thema so praxisnah und verständlich aufzubereiten, dass die Teilnehmenden nicht nur informiert, sondern begeistert waren.
Am Nachmittag folgte Joachim Böttcher, der die Zusammenhänge von Infrastruktur, Pyrolyse und Pflanzenkohle eindrucksvoll aufzeigte. Seine Darstellung der Stoff- und Wasserkreisläufe eröffnete neue Perspektiven auf Energie- und Materialflüsse im Bauwesen. Viele der Anwesenden hatten diese Technologie noch nie in der Tiefe kennengelernt und waren fasziniert von den ökologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Die abschließende Diskussionsrunde am frühen Abend entwickelte sich zu einem lebhaften Austausch über die Verbindung von gesundem Bauen, Bodenqualität und neuen Perspektiven für Landwirte und Handwerker. Es entstand ein spürbares Gemeinschaftsgefühl – getragen von der Idee, regionale Ressourcen wieder stärker in den Mittelpunkt der Bauwirtschaft zu rücken. Die Gespräche setzten sich noch lange beim Abendessen fort – mit sichtbarer Begeisterung und vielen neuen Kontakten.

Die frisch geformten Hanfsteine wurden mit Stolz präsentiert – jedes Stück ein kleines Unikat, Symbol für das Potenzial einer neuen Baukultur.
Praxistag am 8. November – Vom Reden ins Tun
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Praxis. Acht Teilnehmende machten sich daran, die Theorie des Vortags mit den eigenen Händen zu erproben.
Unter fachkundiger Anleitung bearbeiteten sie zunächst Hanfstängel, um das Basismaterial für Hanf-Kalk-Bausteine selbst herzustellen. Anschließend wurden in kleinen Gruppen verschiedene Mischungen aus Hanf, Kalk, Wasser und Pflanzenkohle ausprobiert – mit sichtbarer Neugier und Experimentierfreude.
Die frisch geformten Hanfsteine wurden mit Stolz präsentiert – jedes Stück ein kleines Unikat, Symbol für das Potenzial einer neuen Baukultur. Am Ende des Tages nahmen die Teilnehmenden ihre selbst gefertigten Steine mit nach Hause – nicht nur als greifbares Ergebnis, sondern auch als Sinnbild für das, was hier entstanden ist: Erfahrung, Begeisterung und das Bewusstsein, dass ökologisches Bauen mit regionalen Rohstoffen längst mehr ist als eine Vision.
Fazit: Das Symposium zeigte eindrücklich, wie stark das Interesse an regionalen Stoffkreisläufen und nachhaltiger Baupraxis wächst. Zwischen Landwirtschaft, Handwerk und Finanzwelt entstanden neue Verbindungen, Ideen und Partnerschaften – der beste Beweis, dass regenerative Baukultur keine Zukunftsmusik ist, sondern schon heute Form annimmt.





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